Blättern
Zurück zur Liste

ISAGA-Conference 2018 - Ein subjektiver Rückblick

Birgit Zürn, Christian Hühn (19.07.2018)

Impression von Bangkok

Active Learning and Neo-Simulation & Gaming: Sharing Wisdom - so lautete das Thema der 49. ISAGA-Conference, die im Juli in Bangkok an der Mahidol University stattfand. Wir waren selbst mit zwei Workshops aktiv am Start, möchten aber gerne auch unsere allgemeinen Tagungseindrücke teilen. Dieser Rückblick schildert ausdrücklich unsere subjektiven Eindrücke und freut sich auf Kommentare und Ergänzungen weiterer Teilnehmender.

Fünf Tage tauschte sich die Planspielcommunity an der Mahidol University zu den neuesten Entwicklungen der Szene aus. Jeder Tag begann mit mindestens einer Keynote. Anschließend wurde den Teilnehmenden ein Mix aus bis zu acht parallel laufenden Vorträgen und Workshops geboten. Die Qual der Wahl, welches Angebot man wählen sollte, stellte sich daher recht häufig. Und bei so vielen Parallelveranstaltungen waren manche dann auch leider recht dünn besucht.

Von den Keynotes möchten wir drei herausgreifen. Das bereits im Vorfeld der Dornbirner ISAGA Conference 2014 ins Leben gerufene Time Capsule Projekt von Willy Kriz erhielt mit der Eröffnungskeynote und einem dreistündigen Workshop am Donnerstag einen recht umfassenden Raum. Es wurden Interviews mit den "Altvorderen"/Pionieren der Szene gezeigt. Wünschenswert und interessant wäre sicherlich noch gewesen, die Erkenntnisse und insbesondere den Nutzen für unsere heutige Zeit zu diskutieren und zu erarbeiten. So blieben die Statements unkommentiert im Raum.

Ivo Wenzler gab zehn Empfehlungen ("Commandments") für effektive Planspielleitung aus Praktikersicht. In seinen Thesen befasste er sich zum Beispiel mit dem Bewusstsein für die zu überbrückende Wissenslücke aus Teilnehmendensicht, den Teilnehmenden und der eigenen Rolle, dem Begleiten des Ein- und wieder Auftauchens der Teilnehmenden und dem eigenen, förderlichen Unsichtbarsein. Besonders gefallen haben uns die Zitate berühmter Persönlichkeiten zu jeder These. Ein Beispiel: "The first responsibility is to define reality. The last is to say thank you. In between, the leader is a servant."  Max DePree.

Eine Keynote Activity kam von David Crookall und seinen beiden Assistentinnen, die in (sicherlich mühevoller) Kleinarbeit ein Großgruppenspiel für alle entwickelt hatten, das am ersten Nachmittag stattfand. Bunt und international zusammengewürfelte Teams übernahmen jeweils ein Land, für das sie eine große Anzahl an Informationen im Tausch erhandeln mussten. Das Spiel brach das Eis, förderte das Kennenlernen und eine gemeinsame positive Grundstimmung, hätte aber etwas weniger Regeln und dafür zeitlich mehr Spielspaß verdient gehabt.

Thematisch zeigte die gesamte Tagung einen recht bunten Mix. Aus dem asiatischen Raum, insbesondere von den japanischen Teilnehmenden kamen viele Beiträge zu Desaster Management und Public Safety, andere Sessions fanden zu Education, Environment, New Technology, New Game, Urban Design, Active Learning, SCM Logistics und Business statt. Ein wirklicher Themenschwerpunkt war nicht auszumachen. Dies eröffnete aber eben auch jedem und jeder die Möglichkeit, sich dort Inspiration zu holen, wo sein/ihr persönliches Interessensgebiet liegt. Insgesamt fiel uns auf, dass im Vergleich zu den europäischen Veranstaltungen eher wenig interaktive Elemente im Programm enthalten waren. So gab es kein Gamelab wie in Delft 2017, wo man über die Tage hinweg Spiele live erleben konnte. Und viele als Workshop titulierte Veranstaltungen entpuppten sich letztlich als "verkappte" Vorträge.

Das ZMS war mit zwei Workshops im Programm. Im ersten ging es um die Rolle des Facilitators und des Debriefing, dessen hohe Bedeutung für den Planspielerfolg im Übrigen quasi wie ein Mantra von allen Vortragenden (Key Notes) betont wurde. Wir sammelten gemeinsam Merkmale von good and bad facilitation. Elyssebeth Leigh, eine unserer Teilnehmerinnen, fasste die Rolle des Facilitators zusammen mit der treffenden Beschreibung: "Hovering invisibly - Managing to observe without being noticed by players". Für diesen Workshop wurden wir am Festabend mit dem Best Workshop Award prämiert, eine Auszeichnung, über die wir uns sehr freuen. Im zweiten Workshop stellten wir mit "Fountains" ein Spiel vor, in welchem es um individuelles versus kollektives Handeln geht sowie um die Bildung von Koalitionen im Kampf um knappe Ressourcen. Das Tool ist ohne großen Zeit- und Materialaufwand einsetzbar, erzeugt aber erfahrungsgemäß bei den Teilnehmenden eine sehr nachhaltige Wirkung.

Berichten möchten wir noch von einem Workshop der JASAG, in dem u.a. ethische Fragestellungen im Planspielumfeld diskutiert wurden. Hier wurde sehr deutlich, dass dieses Feld ein weites - aber unbedingt zu diskutierendes - ist, das die Qualität der Spiele selbst, die Rollen im Spiel, die Durchführung (Facilitation) und aber auch die Spielentwicklung betrifft. Eine These wurde von Willy Kriz in den Raum gestellt, dass BWL-Planspiele von vornherein ein unethisches Bild des Wirtschaftens, das auf Wachstum, Gewinnmaximierung und Effizienz ausgelegt ist, zeichnen. Wie nicht anders zu erwarten war, wurde diese Anregung intensiv und lebhaft diskutiert. Gibt es Themen für die Methode, die sich generell verbieten oder erfordern sie nur ein sehr sensibles Anleiten? Und was bieten wir für neue Themen wie interprofessionelle Zusammenarbeit, Agilität und digitale Transformation? Eine Fortsetzung der Diskussion ist in Warschau 2019 geplant.

Die SAGSAGA war durch eine große Gruppe von Teilnehmenden vertreten, was sehr erfreulich ist, dass die Konferenz hier entsprechend Anklang fand. Auch waren die SAGSAGA-Mitglieder in zahlreichen Programmpunkten selbst aktiv. Schön, dass so viele den weiten Weg auf sich genommen haben.

Am Ende ganz besonders hervorzuheben ist die herzliche Betreuung durch die Gastgebenden und deren Anstrengungen für eine gelungene Veranstaltung. Ein ganzes Heer von Helferinnen und Helfern sorgten dafür, dass jede offene Frage und jedes Problem schnell geklärt werden konnte. Auch die Verpflegung war über die ganze Woche hinweg hervorragend und abwechslungsreich. Bereichernd empfanden wir auch die Darbietungen von zwei Tanzgruppen und insbesondere die tolle hochschulinterne Band, die das Farewell Dinner am Donnerstagabend musikalisch umrahmte - sensationell! Wenn man ehrlich ist, toppte sie wohl (eher: ganz sicher!) auch die musikalische Einlage der SAGSAGA, die einen neuen ISAGA-Song mit Unterstützung der schunkelnden Gäste zum Besten gab :-). Ehrungen und Auszeichnungen nahmen sowohl bei der feierlichen Eröffnung als auch am letzten Abend einen großen Raum ein, machten aber gleichzeitig die Wertschätzung und Anerkennung der Leistungen deutlich. Kurz: wir haben uns wunderbar aufgehoben gefühlt in Bangkok. Vielen herzlichen Dank an das Orga-Team und alle helfenden Hände!

Leider konnten wir an der Exkursion am letzten Tag nicht teilnehmen, da der Zeitplan hierfür in Bezug auf unseren Rückflug recht eng war. Als Fazit bleibt: ISAGA Conferences sind ein wunderbarer Ort für Kennenlernen, Austausch, Netzwerken, Treffen und Wiedersehen, Erleben und Diskutieren. Vielleicht gelingt es bei künftigen Zusammenkünften, noch mehr Innovation, neue Formate und Ideen vorzustellen.

Schlagwörter:

Konferenz, Planspiel, Trends, ISAGA