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Ein schwarzer Bildschirm und andere Tücken...

Birgit Zürn, Franz Erdmannsdorffer (05.05.2020)

CAPSIMCore

Am 29./30. April 2020 wurde im ZMS erstmals ein Online-Planspiel in Distanz durchgeführt. Birgit Zürn und Franz Erdmannsdorffer haben – bedingt durch Corona – das bereits in der Präsenzlehre bewährte Planspiel "CapsimCore" in die Online-Welt transferiert. Hierzu war es notwendig, eine gemeinsame Kommunikationsplattform gezielt einzusetzen und die Wissensvermittlung und Interaktion mit den Studenten neu "online" und damit dezentral zu denken. In Kombination mit der Planspielsoftware CapsimCore konnte über zwei Tage eine für die Planspielleitung (und auch für die Teilnehmenden) zwar anstrengende, aber abwechslungs- und lehrreiche Onlineveranstaltung angeboten werden. Abhängig von den weiteren Entwicklungen zu Corona wird das ZMS dieses Planspiel und weitere online anbieten.

Die Vorbereitung

Bevor ein Online-Planspiel in Distanz beginnt, sind einige Vorbereitungen zu treffen und Überlegungen anzustellen. Insbesondere natürlich, wenn man die Veranstaltung in dieser Form zum ersten Mal durchführt. Diesen Aufwand darf man nicht unterschätzen.

Wir legten uns nach einigen Tests auf folgende Grundkonstellation fest:

Das von uns eingesetzte Onlineplanspiel ist browserbasiert und daher von allen Teilnehmenden von zu Hause aus aufruf- und spielbar. In den Planspieleinstellungen haben wir alle Kommunikationstools ausgeschaltet, bzw. diese nicht genutzt (Versenden von Nachrichten, Chat, Forum etc.). Für die Kommunikation nutzten wir ausschließlich eine Kommunikationsplattform, in diesem Fall "Zoom", da diese den großen Vorteil von Gruppenarbeits-Möglichkeiten bietet.

Zwingend notwendig ist ein Kontakt/Administrator im Kurs, der bei auftretenden Störungen schnell telefonisch erreichbar ist und die wichtigsten Infos schnell z.B. WhatsApp an die Studierenden weitergeben kann. Hier hatten wir einen sehr pfiffigen und angenehmen Studenten, der auch im Vorfeld zur Klärung der technischen Voraussetzungen unterstützt hat.  

Zudem erfordert es einige Vorüberlegungen, wie die einzelnen Spielphasen aussehen sollen, wie man ins Spiel einführt, die Zwischenauswertungen macht und am Ende alles zusammenführt. Hilfreich sind hier die Möglichkeiten, die Zoom bietet: das Durchführen von Umfragen, gemeinsames Beschreiben eines Whiteboards, Teilen des eigenen Bildschirms, um eine Präsentation zu zeigen, etc.

Die Durchführung

Ein guter Plan ist wichtig, aber noch lange nicht alles. Der Teufel steckt oft im Detail in Dingen, die wir bei der Planung gar nicht im Auge hatten. Dies zeigte sich, als wir morgens unsere Veranstaltung starteten. Beim ersten Einloggen auf die (amerikanische) Planspielsoftware wurden US-Seiten teilweise von den Firmenlaptops geblockt. Auf manchen Laptops ließen sich Videos nicht abspielen, diese waren aber essenzieller Teil des Einführungstrainings - der Student kam nicht weiter. Manche hatten nur ihr Smartphone zur Verfügung, das aber für ein wirkliches Durcharbeiten des Planspiels nicht ausreicht. Eine Studentin hatte ein extrem schwaches Wlan und flog gefühlt alle paar Minuten aus der Session.

Doch irgendwann waren alle technischen Probleme behoben und wir konnten starten. Was uns zu schaffen machte: Viele Studierende ließen im Plenum ihre Kamera aus. Dies führt zu einer stabileren Verbindung, aber man sitzt als Seminarleitender vor einem schwarzen Bildschirm aus 30 Namen und redet gegen diese Wand. Dies ist extrem unangenehm, unpersönlich und schwierig. Auch gutes Zureden half übrigens nur zum Teil. Schade!

Man darf nicht vergessen, dass auch wir Seminarleiter räumlich über 200 km getrennt waren. Während der Entscheidungsrunden hat man kurz Ruhe, um die nächsten Schritte zu besprechen, wenn die Studierenden in den Breakout Sessions sind. Sind die Spielrunden aber vorbei, tummeln sich 30 Personen im Plenum und man kann sich nicht mehr ungestört abstimmen, welche Schwerpunkte man in der Auswertung angeht. Hierfür ist eine Backup-Lösung unverzichtbar:

  • Miteinander telefonieren (nicht vergessen, den Ton bei Zoom auszuschalten :-))
  • Eine eigene Zoom-Session auf einem zweiten Rechner anlegen (parallel auf einem Rechner geht leider nicht)
  • Einen Breakout-Room für die Spielleitung von Beginn an vorsehen, in den man sich dann zurückziehen kann. Dies wäre unsere präferierte Lösung.

Da eine Online-Veranstaltung wesentlich anstrengender ist als die Präsenzlehre, muss man längere Pausen einplanen und zwischendurch auch mal etwas Anderes machen. Hier bieten sich u.U. kleine Sporteinlagen an. Wir machten am Vormittag des zweiten Tages eine Escaperoom-Challenge, die Capsim zzt. kostenfrei angeboten hat. Die Studierenden zeigten sich begeistert und waren mit großem Spaß dabei.

Die Auswertung

Es empfiehlt sich, eine Liste der Teams mit Namen vorzubereiten, dann kann man in der Auswertung die Studierenden direkt ansprechen. Man sollte im Übrigen nicht allzu viele aktive Wortmeldungen der Studierenden erwarten. Zumindest war unser Kurs recht träge, was die Mitarbeit betraf.

Auch hier gilt: So viel wie möglich vorher durchdenken und vorbereiten. Machen wir eine Excel mit den Daten in Übersicht? Nutzen wir die Chartshows des Programms? Allerdings unterscheidet sich diese Phase nicht allzu sehr von der Auswertung im Präsenzplanspiel. Außer dass es mühsamer ist, in eine Diskussion zu kommen und man als Planspielleitung nicht so einen Überblick hat, welches Team wie tickt und welche Strategie sie fahren. Besucht man sie persönlich in ihren Gruppenräumen, hat man eben ein Bild, das fehlt im Onlinemodus.

Das Fazit

Anstrengend, aber machbar. Das ist unser Fazit nach den beiden Tagen. Und allemal besser, als keine Planspiele in Corona-Zeiten. Und in die "Schwarze Wand" wollen wir in den folgenden Kursen durch gezielte visualisierte Übungen bunte Flecken zaubern:-).   

In den nächsten Monaten gibt es noch einige Online-Planspiele im ZMS. Wir freuen uns über Eure Erfahrungen, Rückmeldungen und Eindrücke!

Schlagwörter:

CAPSIM, Distanzplanspiel, Onlineplanspiel