Track 1/ Impulsvortrag 7

KIKATOPIA - Entwicklung eines Planspiels von und mit Schüler-/innen für den KiKa

Im Jahr 2017 sollte sich der einwöchige Themenschwerpunkt des Kinderkanals Kika (ARD und ZDF) mit "Gemeinsam leben, jetzt und in Zukunft" auseinandersetzen. Die Grundfrage lautete: "Wie leben Menschen verschiedener Herkunft, Hautfarbe und Religion in Deutschland zusammen, deren Wertesysteme sich unterscheiden und gegebenenfalls widersprechen".

Das Planspiel KiKATOPIA ist das Ergebnis eines über einjährigen ambitionierten Projekts. Im Kinderkanal KiKa wurde dazu die Idee entwickelt, das Zusammenleben in der Zukunft mit einem Planspielszenario zu erproben. Die Autoren wurden hierzu angefragt und brachten die Idee ins Projekt ein, mit Kindern nicht nur ein für diesen Zweck entwickeltes Planspiel zu spielen, sondern diese an der Planspielentwicklung zu beteiligen. Zusätzlich sollte nicht nur das Spielen des Planspiels, sondern auch dessen Entwicklung Teil des Sendekonzeptes werden. Die Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche ab der 5. Klasse bzw. ab 10 Jahren.

Willy Kriz und Thomas Eberle haben in Workshops mit Kindern aus Hamburger Schulen, den sogenannten "Entwicklerkids", Erfahrungen aus ihrer Lebensrealität sowie Wünsche, Ideen und Vorstellungen über ein gutes Zusammenleben in einer heterogenen Welt thematisiert. Es wurde herausgearbeitet, was ihnen wichtig ist, welche Gesetze und Regeln sie für hilfreich erachten, welche Werte sie vertreten und wie sie diese in der Zukunft berücksichtigen wollen.

Die Grundidee, das Zusammenleben auf eine Stadt zu fokussieren und im Planspiel deren Entwicklung zu gestalten, fand großen Anklang. Die "Entwicklerkids" entwickelten Vorschläge zur Spielgestaltung, die so weit als möglich übernommen wurden und in das Planspiel einflossen. Im Planspiel "KiKATOPIA" bauen die Teilnehmenden eine Stadt in einem unbebauten Bereich. Sie agieren in der Rolle von Stadträten und Stadträtinnen, die Investitionsentscheidungen treffen und Gesetze über das Zusammenleben erlassen. Alle Entscheidungen haben Auswirkungen auf die Art und Weise der weiteren Entwicklung. Die computerunterstützte Simulation liefert hierzu Rückmeldungen. Auch Gesetze und Regelungen werden hinsichtlich ihrer Folgen auf die Stadtentwicklung und das Leben der Bürger und Bürgerinnen geprüft und haben Auswirkungen auf einzelne Faktoren der Stadtentwicklung. Prototypen des Planspiels wurden mit unterschiedlichen Gruppen von Kindern erprobt und auf der Basis der Erfahrungen weiterentwickelt.

Die "Entwicklerkids" machten sich auf den Weg, begleitet von Fernsehteams, Orte der Vielfalt zu erkunden und Personen zu befragen, wie das Zusammenleben gelingt. Damit das Planspiel die unterschiedlichen Wechselwirkungen von Investitionen und Entscheidungen auf die unterschiedlichen Dimensionen der Stadtentwicklung realistische abbilden kann, wurden Experten und Expertinnen aus verschieden Bereichen befragt und die kybernetischen Zusammenhänge modelliert. Mit sechs Entwicklerkindern, die das fertige Planspiel und seine Regeln und die im Planspiel auftretenden Ereignisse bisher nicht kannten, wurde das fertige Produkt im Studio gespielt und für eine Kika "Erde an Zukunft"-Sendung aufgezeichnet und gesendet.

Im Beitrag werden die lerntheoretischen Hintergründe und der konkrete Planspielentwicklungsansatz dargestellt, u.a. erfahrungsorientiertes Lernen mit und für Schülerinnen und Schüler (Kolb, 1984) und der für diese Altersgruppe adaptierte Designansatz, der auf Duke & Geurts (2004) aufbaut bzw. diesen modifiziert.

 

Referenten

Prof. Dr. Thomas Eberle

Prof. Dr. Willy Ch. Kriz

FH Vorarlberg

Prof. Dr. Thomas Eberle

Universität Erlangen-Nürnberg