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Blogparade aus dem Netzwerk des ZMS, Folge 1

Daniel Bartschat, Birgit Zürn (10.11.2016)

Bartschat und Zürn

Mit der heute gestarteten Blogparade bitten wir Menschen aus dem Netzwerk des ZMS, die eine besondere Beziehung zum Thema "Planspiele" haben, ein paar Fragen zu beantworten. Dabei geht es um ganz persönliche Erfahrungen und Anekdoten beim Einsatz von Planspielen und um das Thema Spielen ganz allgemein. In lockeren Abständen stellen wir diese Menschen und ihre Antworten hier im Blog vor. Den Anfang machen Birgit Zürn und Daniel Bartschat vom ZMS. Weitere werden folgen - wir sind gespannt.

Birgit Zürn ist Leiterin des Zentrums für Managementsimulation an der DHBW Stuttgart. Birgit, wie bist Du zur Passion "Planspiele" gekommen?

Das ist schon lange her. Ich war Ende der 80er-Jahre Hiwi an der Uni Hohenheim und durfte gleich die Seminarleiterperspektive einnehmen, als wir mit 25 Studierenden auf die Schwäbische Alb gefahren sind, um dort ein Planspiel durchzuführen. Die Auswertungen dauerten jeweils mindestens eine Stunde, weil wir Matrizen und Tabellen wälzen mussten, um irgendwelche Wirkungsgrade und Indizes zu berechnen. Jedes Team in einem Häusle im Feriendorf - es waren tolle Tage und wir hatten alle unglaublich viel Spaß.

Welches ist Dein Lieblingsplanspiel und warum?

Die Antwort fällt mir nicht leicht, aber ich entscheide mich für FishBanks Ltd. von Dennis Meadows - ein echter Planspielklassiker, in dem es um den Umgang mit knappen Ressourcen geht und die Falle des ewigen Wachstums und Allmendegüter-Probleme sehr klar erlebt werden. Dennoch kommt der Spielspaß nicht zu kurz und die Dynamik lässt sich nicht vorhersehen - immer wieder spannend.

Welches Seminarkonzept mit Einsatz eines Planspiels gefällt Dir am besten und warum?

Viele unserer Erstsemester bekommen einen schönen dreitägigen Mix aus Team- und Kennenlernübungen, einem Brettplanspiel und einer Firmenbesichtigung - sozusagen ein BWL- und Studiums-Opener. So hätte ich mir meinen Start ins Studium auch gewünscht - statt dessen saß ich in Vorlesungen mit 600 Kommilitoninnen und Kommilitonen...

Wie geht Dein/e Lebenspartner/in mit Deinem Hobby "Planspiel" um?

Mein Mann ist eher nicht so der Spielertyp, findet die Lernmethode aber sehr spannend und lässt sich gerne meine Erlebnisse erzählen. Er selbst konnte einmal bei einem privaten Event planspielen und war sehr angetan, weil doch viel Substanz und auch Emotionen drin stecken.

Zu welchem Thema würdest Du gerne mal ein Planspiel entwickeln?

Ich entwickele zurzeit ein Planspiel zur individuellen Motivation in Sachen Nachhaltigkeit - wie kommt man aus seiner "Box" und aus den eingeschliffenen Gewohnheiten und öffnet sich für Änderungen des eigenen Verhaltens. Die Entwicklung haben wir bereits 2012 auf einer ISAGA-Summerschool begonnen. Leider fehlt oft die Zeit, hieran weiterzuarbeiten. Aber ich hoffe, wir vollenden es eines Tages.

Spielst Du auch sonst in Deiner Freizeit?

Da unsere Jungs schon aus dem Haus sind, spielen wir zugegeben zu Hause nicht mehr allzu oft. Vor allem im Urlaub holen wir dann aber schon mal klassische Familienspiele wie Carcassone, Alhambra oder auch Café International aus dem Koffer. Und ich oute mich als Fan von Patiencen und einfachen Legespielen, die ich am Tablet ab und zu sehr gerne zur Entspannung spiele.

Was war Dein schönstes Erlebnis bei einem Planspiel?

Bezugnehmend auf das oben beschriebene FishBanks-Spiel kam eine Studentin nach ein paar Tagen zu uns und meinte, sie hätte erst jetzt begriffen, was sie mit ihren Entscheidungen (Gott sei Dank virtuell) angerichtet habe und wie betroffen es sie gemacht hätte. Das ist zwar nicht unbedingt ein schönes Erlebnis, aber sicher ein sehr nachhaltiges. Schön ist immer, wenn man Studierende Jahre später irgendwo trifft und sie sich noch an viele Details aus dem Planspiel erinnern können ("Ja, da hat ein Team den ganzen Markt kaputt gemacht...").

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Daniel Bartschat ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Managementsimulation an der DHBW Stuttgart. Daniel, wie bist Du zur Passion "Planspiele" gekommen?

Schon seit meiner Jugendzeit spiele ich sehr gerne Brettspiele. Mittlerweile ist meine Sammlung auf über 200 Titel angewachsen, statt Büchern stehen bei mir zu Hause Spiele im Regal. Der erste Kontakt mit einem Planspiel war mit POLIS, einem politischen Planspiel der Bundeswehr. Mir persönlich macht die Interaktion zwischen Menschen Spass. Da liegt die Planspielmethode natürlich nahe. Im ZMS habe ich das perfekte Umfeld für meine Spielbegeisterung gefunden.

Welches ist Dein Lieblingsplanspiel und warum?

Das Planspiel "SysTeamsChange" von der Firma "riva" ist aus meiner Sicht als Seminarleiter aktuell mein Lieblingsplanspiel. Die Teilnehmenden sind externe Berater, die eine Produktionsfirma in einem Veränderungsprozess begleiten. Dafür stehen verschiedene Interventionen zur Verfügung. Dem Spiel gelingt es, dass man während dem Spielen eine emotionale Beziehung zu den simulierten Mitarbeitern der Firma aufbaut. Dadurch werden verschiedene Aspekte in einem Veränderungsprozess eindrücklich erlebbar. Zusätzlich ist man auch als Seminarleiter ständig involviert und im Austausch mit den Teilnehmenden.

Welches Seminarkonzept mit Einsatz eines Planspiels gefällt Dir am besten und warum?

Wir bieten im ZMS ein Seminar zum Thema "Unternehmensorganisation und Führung" mit dem Planspiel "GRID" von der Firma "intrestik" an. Das Spiel selbst gibt lediglich ein paar operative Grundregeln vor, alles andere können die Teilnehmenden selbst gestalten. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie schwer es ist, vorgefundene Strukturen in Frage zu stellen und über Bord zu werfen. Man erlebt ständig, dass der Blick auf das große Ganze im operativen Alltag schnell verloren geht. Dafür sensiblisiert dieses Seminar ganz toll.

Wie geht Dein/e Lebenspartner/in mit Deinem Hobby "Planspiel" um?

Das passt zum Glück ganz gut zusammen. Einerseits teilt meine Partnerin die Leidenschaft für Brettspiele - ich bin lediglich derjenige, der immer die Regeln lernen und erklären muss. Andererseits ist es so, dass sie als selbstständige Steuerberaterin nicht all zu früh nach Hause kommt, so dass es kein Problem ist, wenn ab und zu mal ein Seminar etwas länger dauert! Sie spielt gerne strategische Spiele, bei denen ich aufgrund meiner eher intuitiven Entscheidungsweise leider oft das Nachsehen habe...!

Zu welchem Thema würdest Du gerne mal ein Planspiel entwickeln?

Ich würde gerne mal etwas zum Thema Führung umsetzen. In diesem Bereich gibt es ganz klassisch viele Konzepte mit hohem Anteil an Rollenspielelementen. Das passt natürlich gut in den Alltag von Führungskräften, ich würde aber gerne etwas weg vom Rollenspiel hin zu einem rundenbasierten Ansatz mit Spielcharakter. Ein Aspekt soll das Ausprobieren von verschiedenen Führungsstilen sein.

Spielst Du auch sonst in Deiner Freizeit?

Na klar, natürlich hauptsächlich Brettspiele. Am liebsten kooperative Spiele, wie zum Beispiel "Pandemie" oder "Die Legenden von Andor". Diese Art von Spielen enthalten immer auch eine Geschichte, die nebenbei erzählt wird. Das macht in einer geselligen Runde immer viel Spass. Ich mag auch Strategiespiele, zum Beispiel "Auf den Spuren von Marco Polo", "Russian Railroads" oder "Caverna". Am PC spiele ich aktuell ganz gerne "Anno 2205".

Was war Dein schönstes Erlebnis bei einem Planspiel?

Nach einem Seminar zum Thema Changemanagement hatte ich einmal zwei völlig entgegengesetzte Rückmeldungen. Eine Teilnehmerin sagte sehr dankbar, dass ihr das Seminar geholfen hätte, sich zu entscheiden, dass sie sich beruflich genau in diese Richtung weiterentwickeln möchte. Ein anderer Teilnehmer meinte, dass er jetzt weiß, dass dieses Thema auf gar keinen Fall etwas für ihn ist. Auch das kann natürlich eine Erkenntnis in einem Seminar sein.

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