Planspiel+ - Literatur

Simulations Matter - Wirkungsweisen und Mehrwert von Politiksimulationen.

Lohmann, Jan Robert (2019):

Passau: Universität Passau, Dissertation.

Politiksimulationen oder Planspiele gehören inzwischen zum festen Repertoire in der schulischen sowie außerschulischen politischen Bildung. Neben traditionellen Lehr-Lernformaten ergänzen sie das Spektrum an didaktisch-methodischen Konzepten zur Vermittlung von Inhalten. Methodische und didaktische Beschreibungen und Analysen von Politiksimulationen existieren inzwischen umfassend. Kaum ein Methodenhandbuch der politischen Bildung schließt diese Form des Lernens und Lehrens aus. Ebenso ist mittlerweile eine Vielzahl an spezieller Fachliteratur mit dem Fokus auf Politiksimulationen und deren Elementen vorhanden. Die Effekte dieser Methode, beispielsweise auf den Kompetenzerwerb der Teilnehmenden, sind hingegen unzureichend erforscht – weniger noch als in verwandten Ansätzen der politischen Bildungsarbeit. Die Einschätzungen der Effekte basieren vorwiegend auf Erfahrungen der Lehrenden. Eine systematische Erforschung der Wirkungsweisen von Politiksimulationen ist im deutschsprachigen Raum nur in Ansätzen zu finden.

In den entsprechenden angloamerikanischen Fachgemeinschaften stellt sich die Forschung etwas ausgewogener dar, wenngleich auch hier nicht von ausreichender Forschungsintensität gesprochen werden kann. Es bedarf fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Wirkungsweisen und den Nutzen von Politiksimulation, auch um diese stärker in den Lehrplänen der Schulen und in
außerschulischen Bildungsangeboten zu verankern.

Die hier beschriebene Dissertation trägt zu dem benannten Forschungsdesiderat bei. Das Ziel ist, unterschiedliche Wirkungsweisen von Politiksimulationen in den Fokus zu rücken und diese systematisch zu erforschen. Zur Annäherung an die Forschungsziele wurden drei Forschungsprojekte durchgeführt, von denen jedes Projekt für sich unterschiedliche Teilbereiche der
Wirkungsweisen von Simulationen beleuchtet:

  • Eine Panelstudie unter Teilnehmenden einer Politiksimulation in der europapolitischen Bildung mit Fokus auf die Nachhaltigkeit des Wissenserwerbs durch die Teilnahme
  • Eine Analyse der Wirkungsweisen auf den Transfer von Normen und Regeln in den europäischen auswärtigen Beziehungen durch Simulationen, exemplarisch anhand eines ausgewählten zivilgesellschaftlichen Akteurs, dem European Youth Parliament
  • Die Wirkungsweise von Politiksimulationen als Experimente mit Vorhersagefunktion in der Politikwissenschaft und somit einem potenziellen Mehrwert nicht nur für die Lernenden, sondern ebenso für die Lehrenden.


Sämtliche Teilprojekte vereint, dass sie die Effekte von Simulationen analysieren und Schnittmengen zu politikwissenschaftlichen Inhalten aufweisen. Aus jedem der Teilprojekte lassen sich – mal mehr, mal weniger – Rückschlüsse auf politikwissenschaftliche Fragestellungen ziehen, beispielsweise bezüglich der Weitergabe von Normen und Regeln im europäischen Mehrebenensystem oder der Auswirkungen des demografischen Wandels auf die politische Entscheidungsfindung. Die vorliegende Dissertation wird aus diesem Grund bewusst zwischen den
wissenschaftlichen Disziplinen politische Bildung und Politikwissenschaft verortet, auch wenn die Fragestellungen zur politischen Bildung überwiegen.

Keywords:

Politiksimulationen

Comments (1)

17.06.2019 - 17:21

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Planspielpreis 2019 (Sonderpreis, Kategorie Dissertationen und Habilitationen)
Aus der Laudatio:
"Politiksimulationen werden erfreulicherweise verstärkt in der schulischen und außerschulischen politischen Bildung mit großer Resonanz umgesetzt. Inzwischen liegt eine Vielzahl methodischer und didaktischer Analysen von Politiksimulationen vor. In diesen Publikationen wurde jedoch von verschiedenen Autorinnen und Autoren eine stärkere empirische Wirkungsforschung angemahnt.
Eine systematische und umfassende Erforschung der unterschiedlichen Effekte von Politiksimulationen steht jedoch im deutschsprachigen Raum weitestgehend aus.
Es bedarf jedoch gerade fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Wirkungsweisen und den Nutzen von Politiksimulation, auch um diese stärker in den Lehrplänen der Schulen und in außerschulischen Bildungsangeboten zu verankern. Die hier zu würdige Dissertation leistet hierzu einen erheblichen Beitrag, indem sie unterschiedliche Wirkungsweisen verschiedener Politiksimulations-Ansätze in den Fokus rückt und diese systematisch erforscht. Diese Kombination ist erstmalig und innovativ.
Die Dissertation besticht durch ein methodisch sehr sauberes Vorgehen, einen ansprechenden Aufbau und stellt die Brücke zwischen Politiksimulationen und Politikberatung her. Nur durch eine umfassende Wirkungsforschung kann dazu beigetragen werden, dass sich Simulationen stärker im Alltag der schulischen und außerschulischen politischen Bildung etablieren
Sie stellt einen Mehrwert für das SAGSAGA-Netzwerk dar und macht den zunehmenden Stellenwert von Politiksimulationen aus dem Bereich der politischen Bildung deutlich. Sie trägt dazu bei, dass der Mehrwert von Politiksimulationen für die politische Bildung und für die Politikberatung noch präsenter wird.
Auf der Basis dieser Arbeit und vor dem Hintergrund der Entwicklung digitaler Politiksimulationen wäre für die weitere wissenschaftliche Wirkungsforschung von Planspiele eine vergleichende Analyse analoger und digitaler Politiksimulationen für die Zukunft notwendig und wünschenswert."
Prof. Dr. Stefan Rappenglück, Mitglied der Jury