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Interaktion live beim Tag der dualen Lehre

Daniel Bartschat, Christian Hühn, Birgit Zürn (25.04.2018)

ZMS Kartenspiel im Einsatz

Der 1. Tag der dualen Lehre der Fakultät Wirtschaft fand am 19. April 2018 statt. Das ZMS zeigte in einer interaktiven Übung, wie sich eine große Zahl an Personen schnell in den Austausch bringen lässt und wie sich Themen über die sogenannte Pyramidenmethode zuspitzen lassen. Es ging konkret um "Herausforderungen der Hochschullehre 2025". Im Beitrag werten wir die gesammelten Karten der Pyramidenmethode aus und beleuchten die Themen des Tages, die bei uns im Alltag des ZMS eine Rolle spielen.

Das Team vom ZMS führte beim 1. Tag der dualen Lehre eine interaktive Übung mit dem ZMS-Kartenspiel durch. Die ca. 150 Teilnehmenden, die alle über eine große Erfahrung in der Lehre verfügen, stellten sich die Frage: "Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Hochschullehre im Jahr 2025?". Zunächst schrieb jeder seine eigenen Gedanken auf die persönliche Karte. Im ersten Schritt wurde in Zweiergruppen das stichhaltigere Argument herausgefiltert, danach ging es in Vierer- und schlussendlich in 12er-Gruppen um die schlagkräftigste Idee. Zum Schluss wurden dann alle Antworten auf drei großen Postern gesammelt. Mit dieser sogenannten Pyramidenmethode lässt sich sehr gut das Destillat der "best of best"-Antworten ermitteln. Es war bei allen drei Gruppen praktisch deckungsgleich.

Cha(lle)nge Nr. 1: Unsere Studierenden verändern sich

Eine Vielzahl der Antwortkarten beschrieb die Herausforderung für uns Lehrende, mit einer zunehmend heterogenen Bandbreite der Studierenden klar zu kommen. Diese drückt sich in einer Vielfalt der Herkunft, Sprache, Vorbildung und des Alters aus. In berufsbegleitenden Kontaktstudiengängen sind häufig Studierende zu finden, die älter als diejenigen sind, die vorne stehen und zusätzlich bereits auf eine große Berufserfahrung zurückblicken. Auf der anderen Seite findet sich der 17-Jährige Studierende, der direkt nach dem Abitur mit dem Studium startet. Der Trend zu lebenslangem Lernen durchmischt unsere Studierendenstruktur mehr und mehr.

Häufig genannt wurde auch eine hohe Anspruchsmentalität der Studierenden, die sich vom Lehrenden wünschen, er möge möglichst gut aufbereitetes Material liefern, um den eigenen Aufwand möglichst gering zu halten. Es zeige sich in der Tendenz auch eine zurückgehende Aufmerksamkeitsspanne mit kürzeren Konzentrationsphasen, die zur Folge haben, dass ein Vortrag nicht unbedingt so ankommt, wie man es gerne hätte. Ob dies eine Folge der Informationsüberflutung und der Dauernutzung von Smartphones und mobilen Endgeräten ist, wurde ebenfalls diskutiert.

Cha(lle)nge Nr. 2: Die Lernwelten verändern sich

Bei den bis zur letzten Runde im Rennen gebliebenen Beiträgen fanden sich viele, bei denen es um die Identifikation "relevanter" Inhalte in Zeiten der Informationsflut (Stichwort Big Data) geht. Der Einzug neuer Technologien, Industrie 4.0, Digitalisierung und was es an Schlagworten sonst noch gibt, führen auch zu einer rasanten Veränderung des Lehrstoffs.

Sind unsere seit Jahren in der Lehre verankerten BWL-Konzepte und Theorien noch zeitgemäß und passend? Müssen wir nicht auch inhaltlich neu denken? Brauchen wir zum Beispiel noch Lerninhalte zu klassischem Projektmanagement, wo doch Agilität das Zauberwort zu sein scheint? Haben Themen wie Change Management schon den Raum und Umfang in unseren Lehrplänen, die sie aufgrund ihrer Relevanz bräuchten?

Neben der inhaltlichen Wandlung von Themen wurde auch diskutiert, inwieweit sich Lernstrukturen und das Umfeld, in dem gelernt wird, verändern könnte. Stichworte, die hier genannt wurden, sind: individualisiertes multimediales Lernen, Virtual/Augmented Reality als Lernkonzept bzw. Baustein der Vorlesung. "Studierende sind digital 'fitter' als ihre Dozenten" heißt es auf einer Karte. Andere positionierten sich klar, man müsse dem Zwang zum Aktionismus widerstehen. Einige Meldungen stellten die Relevanz vom Präsenzlernen in Frage, zum Beispiel als Idee des 'home office für Studierende'. Könnte durch neue Lerntechnologien das Präsenzstudium zumindest in Teilen abgelöst werden?

Professor Handke von der Universität Marburg stellte in seiner Keynote als ein Beispiel das Inverted Classroom-Konzept vor. Dort wird die inhaltliche Wissensvermittlung individuell durch die Studierenden vorab (wo und wann auch immer) mit der Vertiefung, Diskussion Übung und Klärung von offenen Punkten in der anschließenden Präsenz verbunden. Möchte man eine Formel verwenden, würde sie lauten: "Digitalisierung = Menschen + Idee verbinden". Hier wird deutlich, an welche Stelle die Digitalisierung in Lehre ihre sinnvolle Berechtigung hat.

Professor Zierer vertrat in seinem Vortrag "Pädagogik vor Technik" zunächst eine konträre Position, kam am Ende dann aber doch zu dem Punkt, dass er im Kern gar nicht so weit entfernt von Handke steht. Tatsächlich kommt es am Ende auf die Interaktion und die Anwendung des Wissens an. In welcher Form die Grundlagen und Inhalte am sinnvollsten dargeboten und aufgenommen werden, darüber lässt sich natürlich vorstrefflich diskutieren. Immerhin konnte er viele seiner Thesen mit verschiedenen Studien untermauern. Ein Punkt war z.B.: "The pen is mightier than the keyboard" - wenig überraschend wird von Hand Geschriebenes nachhaltiger verinnerlicht, als das über Tablet / PC rein visuell Aufgenommene. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass auch bei uns im ZMS viel Wert auf Visualisierung und Dokumentation auf dem Flipchart oder dem Whiteboard gelegt wird und entsprechendes hochwertiges Material in sämtlichen Seminarräumen vorhanden ist.

Cha(lle)nge Nr. 3: Die Lernräume verändern sich

Ein interessanter Punkt bei Handke war, welche große Bedeutung die räumlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf innovative Lehre einnehmen. In den Präsenzveranstaltungen findet letztlich nur noch in geringem Umfang Wissens- bzw. Inhaltsvermittlung statt. Diese erfolgt im Vorfeld, unterstützt durch das ganze Arsenal der digitalen Möglichkeiten. An der Hochschule trifft man sich, um Themen zu vertiefen, zu reflektieren und um Transfer- bzw. Anwendungsszenarien zu diskutieren und auszuarbeiten. Alles ist auf Interaktion und Kommunikation ausgelegt. Das erfordert ganz andere räumliche Konzepte.  

Wenn man sich die Räume und Ausstattung des ZMS anschaut, welches dieses Jahr 10 Jahre alt wird, kann man sehen, dass all das nichts Neues ist. Bei der Konzeption des CASE wurde ganz bewusst darauf geachtet, dass die Räumlichkeiten für die Seminare nicht nur optisch ansprechend ausgestattet sind, sondern auch möglichst flexibel (um)gestaltet werden können. Alles ist auf Interaktion und Zusammenarbeit ausgerichtet:

Bequeme Stühle mit Lederbezug, leichte Tische mit Rollen, die von einer Person bewegt und gestapelt werden können, an den Wänden Schienensysteme mit verschiedenen Moderations- und Visualisierungsmöglichkeiten. Dazu hochwertige Moderationsmaterialien und natürlich die technische Grundausstattung zur Integration digitaler Medien.

Und an dieser Stelle kommt nun auch Zierer wieder zu Wort: "Der Ort der Bildung ist die Interaktion zwischen Menschen." Das Zentrum für Managementsimulation ist ein Paradebeispiel für genau dieses Statement. Seit nunmehr 10 Jahren gibt es an kaum einer anderen Hochschule eine Einrichtung dieser Art. Weder was die inhaltliche Ausgestaltung betrifft, noch was die räumliche Ausstattung angeht. Unsere Erfahrungen aus dem Alltag zeigen, dass sich die Studierenden zu Beginn der Seminare tatsächlich erst einmal wieder daran gewöhnen müssen, selbst aktiv zu werden, da anders als sonst in der Vorlesung niemand vorne steht und genau sagt, was zu tun ist. Da verwundert es auch nicht, dass hier und da die Teilnehmenden gar nicht wissen, was hilft, um gut in Interaktion zu kommen und auf welche Dinge es zu achten gilt, damit alle Beteiligten sich auch einbringen. Nur so kann man am Ende zu guten Entscheidung im Team kommen. 

Letztlich basieren auch die Erkenntisse von Sebastian Schwägele im Rahmen seiner Doktorarbeit genau auf dieser Annahme: "Lerntransfer I" - die Teilnehmenden am Seminar bringen Wissen, Erfahrungen und Fähigkeiten mit und haben die Möglichkeit, diese in der Interaktion (hier bei uns im Planspiel) einzusetzen und anzuwenden. "Lerntransfer II" - Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Seminar werden in den Alltag mitgenommen, um sie dort auszuprobieren, zu hinterfragen und Fähigkeiten weiterzuentwicklen.

Wie können wir uns diesen Herausforderungen stellen?

Die ebenfalls beim Tag der Lehre befragten Studierenden wünschten sich in der Mehrzahl vor allem engagierte Lehrpersonen, die für ihr Thema brennen und dies auch mit Begeisterung vermitteln. Da komme es gar nicht unbedingt auf ein Feuerwerk der eingesetzten Lehrmittel an. Dennoch lassen sich mit Methodenvielfalt in der Veranstaltung Themen sicherlich abwechslungsreicher und der heterogenen Zielgruppe entsprechender vermitteln. Hier sind natürlich auch Planspiele und unsere interaktiven Übungen ein wirksames Mittel.

Zum Abschluss noch ein paar Links, die sich ebenfalls mit den hier angerissenen Themen auseinandersetzen und die zum Diskutieren anregen sollen.

Kritische Auseinandersetzung mit der These: Pädagogik vor Technik

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Blogbeitrag, u.a. mit dem SAMR-Modell

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Dazu ein Klassiker von Steven Johnson: Where good ideas come from

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