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Fünf Planspiel-Mythen

Zahlreiche Studierende haben mit großer Begeisterung an mindestens einem Planspielseminar in einem Hochschulkurs teilgenommen und trotzdem halten sich einige Mythen über die Planspielmethode hartnäckig am Leben. Sie ranken sich um Vorurteile wie "da kann ich ja gar nichts bewerten" oder "die Teilnehmenden spielen ja nur". Die fünf häufigsten Mythen möchte ich hier auflisten.

Mythos 1: Planspiele sind eine Modeerscheinung und nur etwas für Streber und Technikfreaks

Um seiner Bedeutung gerecht zu werden, muss per Definition die Modeerscheinung kurzlebig sein. Planspiele wurden jedoch schon eingesetzt, bevor sich die American Management Association in den 1950er Jahren dazu entschied, eine Business Simulation zu veröffentlichen. Demzufolge sind Planspiele viel zu lange präsent, um als Modeerscheinung gelten zu können.
Vielmehr können Planspiele als Bildungstrend betrachtet werden.

Ein Trend (vgl. www.trendwatching.com) entsteht, wenn Veränderungen, wie beispielsweise durch technischen Fortschritt hervorgerufen, einhergehen mit einem grundsätzlichen menschlichen Bedarf, Mangel oder Wunsch. In Sachen Planspiel besteht ein grundsätzlicher Wunsch, auf die Art und Weise zu lernen, die uns am nächsten kommt: durch selbst ausprobieren. Im vernetzten Zeitalter stellen verschiedene Technologieformen sicher, dass jeder, der das Internet nutzen und eine Computermaus bedienen, auch ein Planspiel bewerkstelligen kann.

Mythos 2: Studierende versuchen, die Wirkungen des Planspiels auszuhebeln

Seit Aristoteles durch das Lyceum schritt, gibt es gewiefte Studierende, die mit ihrem Intellekt sehr eifrig versuchen, die Spiellogik auszuhebeln, anstatt sich um die eigentliche Herausforderung bzw. Aufgabe zu kümmern.

Unabhängig davon, ob Planspiele in direkter Konkurrenz zu Kommilitonen ("Wettkampf") oder aber gegen virtuelle Konkurrenten ("Wettlauf") durchgeführt werden, die Erfahrungen, die die Teilnehmenden machen, sind niemals die gleichen. Um jedoch ganz sicher zu gehen, bieten die Simulationen die Möglichkeit, Bestandteile des Marktmodells oder ähnliches individuell anzupassen. Damit haben die Studierenden keine große Chance, ihr Planspielergebnis durch "Aushebeln" zu beeinflussen.

Mythos 3: Simulationen sind wie Laborarbeit – vom Unterricht losgelöst

Unternehmerische Entscheidungen zu treffen ist wie Fallschirmspringen. Die Theorie ist wichtig, aber der Wichtigkeitsgrad wird einem erst bewusst, wenn man zum ersten Mal diesen einen kleinen Schritt aus 3.500 Metern Höhe macht.
Manchmal weiß man gar nicht so genau, was man eigentlich gelernt oder eben nicht gelernt hat, bis man es praktisch anwenden soll. Ein BWL-Studierender kann Rechnungswesen-; Marketing-, Controlling- und Unternehmensführungskurse ohne erkennbare Schwierigkeiten mit guten Noten bestehen; aber was machen genau diese Studierenden, wenn sie ihrer ersten selbstverantworteten Lieferunfähigkeit, Insolvenz oder einem anderen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber stehen?

Genau weil keine spezielle Ausrüstung benötigt wird, ist das Planspiel-"Labor" in den regulären Lehrbetrieb optimal integrierbar, wo die gelehrte Theorie durch eine unmittelbare Praxiserfahrung angewendet wird.

Mythos 4: Planspiele sind ein Zirkuspferd mit wenig Flexibilität

In der Vergangenheit waren Planspiele hinsichtlich ihrer Komplexität und Lernziele begrenzt, aber das änderte sich in dem Moment, als Telefone nicht mehr nur zum Telefonieren konstruiert wurden. Heutzutage stehen Planspiele online, in Präsenzseminaren oder einer Mischform aus beidem zur Verfügung für Studierendenzahlen von nur einer Handvoll bis hin zu mehreren Tausend. Sie werden genutzt für wenige Tage andauernde Blockseminare bis hin zu 5, 10 oder 15 Wochen dauernden, semesterbegleitenden Seminaren, wobei die eingesetzten Planspiele auf das Curriculum des Studienganges optimal zugeschnitten werden können. Dabei kann eine Unternehmenssimulation nicht nur zur Vermittlung von BWL im Allgemeinen verwendet werden, sondern beispielsweise ein Fokus auf Marketing, Management und das Rechnungswesen gelegt und dabei die Bedürfnisse verschiedener Teilnehmer-Zielgruppen, wie bspw. Bachelor- und Masterstudierende, Absolventen oder Führungskräfte berücksichtigt werden.

Mythos 5: Die Bewertung von Studierenden mit Planspielen ist schwierig

Genau das Gegenteil ist der Fall! Planspiele machen sowohl die Bewertung als auch die Benotung sehr viel einfacher. Optimal ist, wenn ein Planspiel individuelle Performance-Daten in Form einer Balanced Scorecard liefert, die durch verschiedene Fragespiele und Aufgaben, Evaluierung der Teamkollegen, Bewertung der Effektivität und der Evaluierung des Lernerfolges jedes einzelnen Teilnehmenden ergänzt werden und so einen Gesamteindruck jedes Teilnehmers vermitteln. Dabei können Klausuren zum Einsatz kommen und andere Methoden zur Bewertung herangezogen werden.

Planspiele geben zudem die Möglichkeit, schriftliche und verbale Kommunikation durch Online-Hausaufgaben oder Präsentationen im Kurs zu bewerten. Alles, was Sie machen müssen, ist die Methode zu bestimmen, die am besten geeignet ist, um die von Ihnen verfolgten Lernziele bei den Teilnehmenden zu messen.

Samir Khezzar

Ausschnitt eines Planspiels